Im Gegensatz zu früheren Zeiten spielen Heimtiere heutzutage innerhalb der Familie, an der Seite von Kindern, eine wichtige Rolle. Nicht nur Hunde und Katzen, auch Ziervögel und kleine Säugetiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Co. werden wie Familienmitglieder behandelt und als vertraute Gefährten geschätzt. Für alte Menschen sind sie oft die einzige Verbindung zum Leben, für Singles häufig Ansprech- und Schmusepartner in einsamen Stunden.

Intensives Für- und Miteinander kennzeichnet die emotionale Bindung und den sozialen Wert von Heimtieren. Wen wundert es, dass für Partner Tier häufig das Beste nur gut genug ist. So sind auch die Ansprüche vieler Tierbesitzer an eine bestmögliche gesundheitliche Versorgung ihres vierbeinigen Familienmitglieds erheblich gestiegen.

Der Wandel in der Haustierhaltung hat sich gleichermaßen in der Tiermedizin vollzogen. Erwartungen an Diagnostik und Behandlung bleiben heute selten unerfüllt. Die Palette der verfügbaren medizinischen Möglichkeiten reicht inzwischen weit: von den modernen bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie bis hin zu Überwachungseinrichtungen von Intensivpatienten und Narkose- und Beatmungsinstrumenten.

Kleintierkliniken und auch so manche Kleintierpraxis unterhalten moderne EKG-Geräte und eigene Labore. Die Computertomografie ist nicht mehr der Humanmedizin vorbehalten, ebenso wenig wie die Chemotherapie bei der Tumorbehandlung. Nahezu jede erdenkliche Diagnostik und umfangreiche, moderne Behandlungsverfahren sind in der heutigen Zeit möglich.

Im Erkrankungsfall ihres Tieres schöpfen Tierbesitzer die vielfältigen medizinischen Möglichkeiten häufig aus, um das Familienmitglied nicht zu verlieren. Der Gesundheitsvorsorge dagegen messen sie leider oft zu wenig Bedeutung bei. So wird nur ein Bruchteil der in Deutschland lebenden rund sieben Millionen Hunde und zwölf Millionen Katzen regelmäßig tierärztlich untersucht.

Obwohl eine Vorsorgeuntersuchung nicht viel Zeit und Geld kostet, scheuen viele Tierbesitzer wegen der vermeintlich hohen Kosten, aber auch aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit, den Gang in die Tierarztpraxis. Oft bringen sie ihr Tier erst zum Tierarzt, wenn die Krankheitssymptome unübersehbar sind.

Doch kann es dann – trotz aller medizinischen Möglichkeiten – schon zu spät sein. Gerade weil viele Krankheiten sehr häufig auftreten, wie die Gelenks- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Hunden oder Nieren- und Zahnerkrankungen bei Katzen, empfehlen wir Tierärzte regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.

Bei rechtzeitiger Diagnose sind viele Krankheiten, die ohne Therapie oftmals zu schweren gesundheitlichen Schäden oder zum Tod des Tieres führen, gut zu behandeln und meist auch heilbar. Überdies schützt Prophylaxe beim Tier auch die menschliche Gesundheit, denn einige Krankheiten, wie Hautpilzinfektionen oder die Leptospirose des Hundes, und Parasiten, wie Läuse, Flöhe oder Würmer, sind auf den Menschen übertragbar.

Weitere interessante Informationen rund um die Tiergesundheit finden Sie in diesem Heft. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen, und denken Sie daran: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sichern die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres Tieres. Sie lassen sich ohne zusätzlichen Aufwand gut mit den notwendigen Impfungen und der Parasitenprophylaxe verbinden.

Dr. Siegfried Moder
Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte e. V.

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