Ein starkes Schlusswort! Warum? Weil darin so viel von dem steckt, was schon 1989 zur Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention geführt hat: Kinder sind Menschen mit Rechten, die es zu respektieren und ernst zu nehmen gilt – und zwar von Anfang an!

Herzstück der UN-Kinderrechtskonvention ist dabei das Bild vom Kind als eigenständiges (Rechts-)Subjekt und nicht mehr als Objekt der Erziehung durch Eltern oder den Staat. Getragen wird dieses Bild vom Kind durch die sogenannten drei P der Konvention: Protection, Provision und Participation.

Wir übersetzen die englischen Begriffe meist mit Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechten von Kindern.

Die UN-Kinderrechtskonvention sieht diese drei „Gruppen“ von Rechten als eine Art „Dreiklang“. Das heißt: Die Schutzrechte können nicht ohne Beteiligungsrechte und Versorgungsrechte verwirklicht werden und umgekehrt. Alles andere würde nicht den Vorgaben der Konvention entsprechen.

Man könnte die drei P also auch als eine Art Anleitung für Staaten beziehungsweise Regierungen verstehen und letztendlich auch für alle Erwachsenen, die mit und für Kinder arbeiten und mit diesen zusammenleben. Sie beschreiben die besondere Rolle, die uns Erwachsenen bei der Verwirklichung der Menschenrechte von Kindern zukommt:

  • Kinder brauchen den Schutz von Erwachsenen, insbesondere dann, wenn ihre Rechte durch Dritte gefährdet werden.
  • Kinder brauchen Angebote und Leistungen, die sie darin unterstützen, sich entwickeln und entfalten zu können, und
  • Erwachsene sollten der Meinung von Kindern Gehör schenken und dieser auch Gewicht verleihen. Das gilt, so hat es der zuständige Fachausschuss der Vereinten Nationen in einem Kommentar zu Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention betont, immer und nicht nur dann, wenn wir Erwachsenen annehmen, dass es irgendwie gewinnbringend für eine Entscheidung sein sollte.

Die Verwirklichung der drei P der UN-Kinderrechtskonvention ist auch für ein im weltweiten Vergleich sehr gut dastehendes Land wie Deutschland eine große Herausforderung. So haben wir in Deutschland zwar ein Jugendschutzgesetz und auch seit 2000 ein Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung. Dennoch erleben viele Kinder in Deutschland immer noch Gewalt oder erhalten nicht den Schutz, der ihnen eigentlich zusteht.

Deutschland hat zudem ein Kinder- und Jugendhilfegesetz, das Kindern und ihren Familien Unterstützung anbietet, damit die Kinder sich trotz schwieriger Lebenslagen (eigener oder die der Eltern) möglichst frei entwickeln und entfalten können.

Auch haben wir ein umfassendes Gesundheitssystem für Kinder und ein starkes Bildungssystem. Dennoch haben Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien deutlich schlechtere Bildungschancen und auch deutlich häufiger gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Es braucht also neben staatlichen Institutionen, die die drei P umsetzen müssen, auch starke Erwachsene, damit die Kinderrechte verwirklicht werden können. Stark in dem Sinne, dass wir Erwachsene im Zusammenleben mit Kindern die Balance zwischen Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechten täglich austarieren. Dabei gilt es, nicht zu vergessen: Kinderrechte sind Menschenrechte!

Claudia Kittel
Deutsches Institut für Menschenrechte

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