Jeder will alt werden, doch niemand will alt sein. Das hat natürlich Gründe. So wird das Minus bei Gesundheit, Vitalität, Spaß, Sportlichkeit und Erotik oft durch ein Plus bei Falten, Haarausfall, Arthrose, Vergesslichkeit und etliches Nervige mehr verschlimmert. Und als würde das nicht genug frustrieren, sagen einem irgendwann ab 50 die Ärzte Sätze wie diesen: „Sie sind nicht mehr 23, Herr Prang, Ihr Körper übrigens auch nicht!“

Kein Wunder also, dass viele Menschen fürchten, mit den Jahren weniger leisten zu können und deshalb überflüssig zu werden. Aber muss das so sein? No Sir! Viele der Klischees über das Älterwerden als allein krank machendes Unheil sind nur Klischees – sie dürfen deshalb ignoriert werden.

Jeder will alt werden, doch niemand will alt sein

Zum Glück tun das auch immer mehr Menschen jenseits von 50 oder gar 90 Jahren. Erinnern wir uns an Udo Jürgens. Noch bis kurz vor seinem Tod vor zwei Jahren begeisterte er, 80-jährig, viele Abende im Jahr über zwei Stunden lang sein Publikum. Seine Stimme war reif, klang aber nicht nach 80 Jahren. Und er bewegte sich auch nicht so, wie mancher das von einem älteren Mann erwarten würde.

Unvergessen ist auch der verstorbene Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der noch mit 97 Jahren im TV oft grandios unbequem die große Politik diskutierte und Bücher darüber schrieb. Dann gibt es die Mitglieder der Rolling Stones, von denen zwei bereits über 73 Jahre alt sind. Auch in diesem Jahr füllen sie Fußballstadien mit Fans aller Altersgruppen – und ein allerletztes Konzert ist nicht abzusehen.

Eine Legende zu seinen Lebzeiten war auch der Schauspieler und professionelle Autorennfahrer Paul Newman. Er fuhr im Jahr 2005, 80-jährig, sein letztes 24-Stunden-Rennen in einem Fahrzeug mit mehreren Hundert PS; Newman starb drei Jahre später.

Viele Klischees über das Älterwerden sind genau das: Klischees

Ein Vorbild für Jüngere und Ältere ist auch die Berliner Unternehmerin Heidi Hetzer. Sie fährt, 79-jährig, mit einem Oldtimer vom Typ Hudson Great Eight aus dem Jahr 1930 um die Welt. Eine Inspiration für alle Sportler ist Kazuyoshi Miura, der mit 49 Jahren als Profi in Japan Fußball spielt.

Auch der verstorbene Hans Riegel passt in diese Aufzählung – als Inhaber von Haribo leitete er noch mit 90 Jahren seine Firma selbst. Diese und viele weitere Frauen und Männer jenseits der 60, 70, 80, 90 oder sogar 100 mit ähnlicher Einstellung eint, dass sie keinen Gedanken daran verschwenden, ob ihr Lebensstil altersgemäß ist. Pah!

Gegen viele Erkrankungen im Alter lässt sich etwas unternehmen

Natürlich, Älterwerden kann Kranksein und Leiden bringen. Es wäre nicht angemessen, zu tun, als sei das Alter eine tolle Sache, wenn man nur die richtige Einstellung dazu hat. Aber viele der Klischees über die Defizite des Alters erweisen sich nach genauer Prüfung als reichlich übertrieben, und gegen viele Erkrankungen lässt sich auch im Alter etwas tun.

So können Hörgeräte Schwerhörigkeit weitgehend ausgleichen, Medikamente schwache Herzmuskeln und lahme Hormonzellen beleben, clevere Implantate verschlissene Gelenke ersetzen und fast unendlich vieles mehr. Älterwerden ist auch deshalb nicht automatisch mit Verfall und Verzicht auf Lebensqualität verbunden. Und wie immer mehr Studien zeigen, sind wir im Alter auch noch glücklicher als in der ersten Lebenshälfte.

Das sollten wir schamlos ausnutzen. Ab wann es losgeht, das entscheiden Sie selbst.

Ihr Dr. med. Michael Prang

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