Ferienimpressionen: Blauer Himmel, schimmerndes, glasklares Meer, ein kühler Drink im Schatten. Leben wie im Paradies. Doch ein Blick auf die Rückseite der Ferienidylle zeigt Flaschenberge und Müll ohne Ende.

Die Frage nach der Abwasserbehandlung wird mit einem Achselzucken quittiert. Die Wäscherei der Luxusherberge erhitzt Wasser mit Strom von stinkenden Dieselgeneratoren, anstatt die fast immer scheinende Sonne zu nutzen.

Der Export unseres Lebensstils, des „American Way of Life“, lässt weltweit Müllberge wachsen und den Energiebedarf unermesslich steigen. Und so ist es ein Gebot der Stunde, dass wir infolge unseres westlichen Lebensstils neue Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschaften und Leben entwickeln.

Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen, wenn wir Chancen für eine enkeltaugliche Zukunft schaffen wollen. Da ich das Wort müssen verabscheue, möchte ich lieber sagen: Wir dürfen vorangehen und diese faszinierende Herausforderung annehmen.

Beginnen wir bei der Energie: In Sachen Energiewende schaut die ganze Welt auf Deutschland. Wenn wir hier endlich aufhören zu zaudern und uns mehr denn je als Vorreiter positionieren, wird das nicht nur einen großen Imagegewinn, sondern auch handfeste wirtschaftliche Vorteile bringen.

Gehen wir zum Thema „Recycling & Ressourcen“. Auch bei uns waren vor 50 Jahren Müllkippen in Kiesgruben und Müllberge am Stadtrand gang und gäbe. Wir sollten also nicht mit dem Finger auf Missstände in Entwicklungsländern zeigen, sondern dürfen vielmehr unsere Kreativität und Lösungskompetenz verdoppeln.

Ein fauler Apfel?

Gerade wird Apple vorgeworfen, bewusst Software-Updates vorzunehmen, die die Performance der Geräte verlangsamen und somit den Umstieg auf die nächste Gerätegeneration forcieren. Der Vorwurf der geplanten Obsoleszenz (geplanter Verschleiß) trifft immer mehr Firmen, und – Hand aufs Herz – wer lässt heute noch seinen Toaster, Staubsauger oder Roller reparieren?

Lieber wegwerfen und neu kaufen. Das macht Spaß, das ist billig. Unter welchen Bedingungen Produkte entstehen, mit welch gravierenden Umweltbelastungen der Rohstoffabbau erfolgt und wie sehr globale Transportbewegungen eine Belastung für Natur, Mensch und Umwelt darstellen – das interessiert in unserer Konsumgesellschaft niemanden. Oder doch?

Einfälle statt Abfälle:

Ein neues Verständnis von Mensch und Natur
Wir haben innerhalb von 200 Jahren einen Großteil der Ressourcen verbraucht, die in Jahrmillionen entstanden sind. Doch anstatt uns dafür schuldig zu fühlen und die Konsequenzen zu verdrängen, dürfen wir neue Wege entdecken. Das beginnt beim Design der Produkte und endet mit einer vielfachen Nutzung im Kreislauf.

Faszinierende Modelle entstehen, so etwa der Ansatz des Cradle to Cradle von Professor Michael Braungart, der postuliert, alle Produkte entweder für einen technischen oder einen natürlichen Kreislauf zu entwickeln. Oder das Urban Mining, mit dem viele Rohstoffe ein zweites Leben beginnen. Oder das Konzept der Earthships, bei dem Häuser ausschließlich aus bereits benutzten Produkten entstehen.

Große Denker wie Ernst Ulrich von Weizsäcker mit seinem Faktor-5- (und mehr) Ansatz weisen den Weg. Wir können folgen – als Hersteller, Händler, Konsumenten – und damit Mittel und Wege entwickeln, wie wir bewusster miteinander und mit den Schätzen der Natur umgehen.

Und weil nichts so sehr anregt wie gute Beispiele, möchten wir gemeinsam mit Ihnen das Projekt „Sustainable Islands“ realisieren. Hierbei dürfen wir gemeinsam mehrere Inselparadiese in allen wichtigen Bereichen von Landwirtschaft, Wasserversorgung über Energie, Rohstoffver- und Müllentsorgung, Tourismus und Kommunikation  bis hin zu Transport und Mobilität als Musterentwicklung realisieren und damit zum Nachahmen anregen.

Es ist schöner, neue Wege gehen zu dürfen, die Schätze am Wegesrand zu sehen und zu heben, als sich über den Müll am Straßenrand zu ärgern.

Fritz Lietsch
Chefredakteur forum Nachhaltig Wirtschaften und Herausgeber von ECO-World

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