Dem Rätsel, warum Schönheit so wenig ausrichten kann, wenn es ums Glück geht, sind zwei deutsche Psychologen nachgegangen. Tobias Greitemeyer von der Technischen Universität Chemnitz und Felix Brodbeck von der Universität München ließen ihre Kandidaten zunächst eine ganze Batterie an Persönlichkeitstests ausfüllen, bei denen es um die Zufriedenheit mit sich selbst und dem Leben ging. Dann kam das Äußere dran.

Dabei wurden die Kandidaten nicht nur von Fremden benotet, sondern mussten auch ihre eigene Schönheit beurteilen. „Objektive“ Schönheit, „subjektive“ Schönheit, Lebenszufriedenheit – Was haben sie alle miteinander zu tun? Zwischen der „objektiven“ Schönheit und der Lebenszufriedenheit fand sich (genau wie in der Studie von Ed Diener) so gut wie kein Zusammenhang. Diejenigen jedoch, die ihrer Schönheit auch selbst gute Noten gegeben hatten, wiesen auch deutlich höhere Zufriedenheitswerte auf.

Schönheit macht also durchaus glücklich – allerdings nur, wenn man sich selbst auch schön fühlt. Erstaunlicherweise hat aber die gefühlte Schönheit offenbar ziemlich wenig mit der tatsächlichen Schönheit zu tun. Nur wenige Menschen etwa schätzen sich als unterdurchschnittlich schön ein, der große Rest verfährt bei seinem Aussehen lieber nach dem Prinzip „rosarote Brille“, wie er das auch bei seiner Intelligenz tut: 95 Prozent der Menschen
halten sich in Umfragen für überdurchschnittlich intelligent.


Das Buch „Schönheit – eine Wissenschaft für sich“ von Ulrich Renz

Bei der gefühlten Schönheit spielt in erster Linie das Selbstwertgefühl eine Rolle. Ein positives Selbstbild beinhaltet in aller Regel auch ein positives Bild vom eigenen Körper. Nur wer zufrieden ist, kann sich selbst gegenüber Milde walten lassen und muss sich nicht als Schönheitsjury in eigener Sache betätigen. Wer sich dagegen als Person infrage stellt, zweifelt oft auch an seiner äußeren Wirkung. Dabei kommen zum Teil groteske „Fehleinschätzungen“ zustande – in beide Richtungen.

Dass Schönheit als subjektives Gefühl wenig damit zu tun hat, wie andere uns sehen, zeigt auch eine große Umfrage unter den Leserinnen von „Psychology Today“. Mehr als die Hälfte gab darin an, dass sich ihr Aussehen im Lauf des Lebens stark geändert habe – und zwar eher zum Positiven. Die Älteren (45 bis 54 Jahre alt) waren mit ihrem Aussehen im Durchschnitt zufriedener, als sie es als Jugendliche und junge Erwachsene gewesen waren.

Was wir daraus schließen können? Für unser Wohlbefinden zählt weniger, was andere von uns denken und erwarten oder was sie uns Gutes (oder Schlechtes) tun, es zählt zuallererst, was wir selbst von uns halten. Wir können noch so viel Rückenwind haben, die Segel müssen wir selbst setzen.

Ihr Ulrich Renz
Buchautor „Schönheit – eine Wissenschaft für sich“

"Schönheit. Eine Wissenschaft für sich

Schönheit ist ein Skandal. Schon ein hübsches Baby bekommt mehr Zuwendung als ein weniger hübsches; die schöne Kellnerin mehr Trinkgeld als ihre weniger ansehnliche Kollegin, der attraktivere Bewerber ein höheres Gehaltsangebot, der besser aussehende Politiker mehr Stimmen.

Warum hat Schönheit so viel Macht über uns? Wie kommt es, dass Schönheit so im Zentrum unserer Träume, Sehnsüchte und Glücksfantasien steht? Der größte Kosmetikhersteller der Welt ist an der Börse dreimal so viel wert wie General Motors, der weltgrößte Autohersteller. Medien, Film und Werbung leben von nichts anderem, als uns rund um die Uhr mit Bildern schöner Gesichter und Körper zu versorgen.

Doch was heißt hier eigentlich „schön“? Was ist es, das uns an einem schönen Gesicht so magisch anzieht? Und überhaupt: Ist Schönheit nicht relativ?"

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