Die Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit erwacht meist erst, wenn Beschwerden die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Umso wichtiger sind Aufklärungskampagnen wie ebendiese „Urologie – Mehr als man(n) denkt“, deren Ziel es ist, das Gesundheits- und Vorsorgebewusstsein Männer jeden Alters zu stärken, aber auch auf die Vielseitigkeit der Urologie aufmerksam zu machen.

Einer Umfrage in der Düsseldorfer Altstadt vor zwei Jahren zufolge reduziert ein großer Teil der Bevölkerung die Tätigkeit eines Urologen auf die Untersuchung der Prostata. Natürlich ist und bleibt die Prostata ein Schwerpunktthema der Urologie, denn bösartige Erkrankungen der Prostata waren im vergangenen Jahr immer noch die sechsthäufigste Todesursache unter Männern.

Damit ist Prostatakrebs gegenwärtig der am häufigsten diagnostizierte bösartige Tumor des Mannes – etwa 58.000 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland, etwa 12.000 sterben daran. Gerade hier sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, wie der PSA-Bluttest, von besonderer Wichtigkeit, denn im Frühstadium verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen symptomlos. Wird die Erkrankung jedoch frühzeitig diagnostiziert, sind die Heilungschancen sehr groß.

Noch häufiger als das Prostatakarzinom ist die gutartige Vergrößerung der Prostata, die bei jedem Mann auftritt, mit dem Ergebnis, dass der Harnstrahl mit zunehmendem Alter nachlässt und die Häufigkeit des Wasserlassens zunimmt. Technologische Errungenschaften bieten jedoch neue, minimalinvasive Behandlungsmöglichkeiten, die große, Lebensqualität einschränkenden Eingriffe vermeiden.

Neben diesen wichtigen Themen sollten junge Männer den Urologen als Vertrauten und Helfer erkennen. Während junge Frauen regelmäßig zum Gynäkologen gehen und Krebsvorsorge ein (fast) alltägliches Thema ist, hat der Urologe noch immer nicht die äquivalente Rolle für junge Männer übernommen.

Dabei kann der Urologe Männern schon in jungen Jahren mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gerade in Bezug auf das Thema Hodenkrebs spielt dies eine große Rolle – das durchschnittliche Alter der Männer, die an einem Nichtseminom beziehungsweise Seminom erkranken liegt bei 28 beziehungsweise 35 Jahren.

Umso wichtiger sind Organisationen, wie die Movember-Foundation, die inzwischen weltweit erfolgreich auf Männergesundheit und Krebsvorsorge aufmerksam machen und  für die Forschung Spenden sammeln. Hierzu lassen sich Männer jeden Alters im November einen Schnurrbart wachsen, eine einfache, aber aufmerksamkeitsstarke Idee.

Auch bei dem Tabuthema Erektionsstörung hilft der Urologe weiter. Verschiedenste Verfahren stehen dem Urologen zur Verfügung, um den Patienten wieder zu mehr Stehkraft zu verhelfen. Doch ist der Urologe eben mehr als man(n) denkt! Neben dem Tätigkeitsfeld der typischen „Männerkrankheiten“ umfasst das Aufgabengebiet des Urologen viele Indikationen, die auch Frauen und Kinder betreffen können.

Beispielsweise ist Harninkontinenz eine häufig verbreitete Erkrankung, die schätzungsweise sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland betreffen, wobei Frauen zwei- bis viermal häufiger darunter leiden. Infektionen der Nieren und Harnwege, Blasen- und Nierensteine sowie bösartige Veränderungen der Blase werden ebenfalls vom Urologen behandelt.

Bei allen Erkrankungen ist es wichtig, Symptome frühzeitig wahrzunehmen und untersuchen zu lassen. Denn Vorsorge ist das A&O, bei Frau und Kind, aber eben auch beim Mann.

Ihr Prof. Dr. med. T. Klotz
„Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit“

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