In einem durchschnittlichen Leben mit 75 Lebensjahren verschläft der Mensch bei einem Schlafbedürfnis zwischen sechs und acht Stunden zwischen 19 und 26 Jahre. Dies macht deutlich, wie wichtig dieser Teil unseres Lebens ist.

Der Mensch ist ein tagaktives Lebewesen. Das heißt, entsprechend unserer genetischen Ausrichtung schlafen wir bei Nacht (Dunkelheit) und sind bei Tag (Helligkeit) aktiv. Dies steht nicht immer in Übereinstimmung mit unserer modernen 24-Stunden-nonstop-Gesellschaft, die uns zum Beispiel bei Schichtarbeit tags wie nachts aktiv sein lässt.

Schlaf macht wach! Schlaf hat eine entmüdende Funktion! Er hat eine wichtige Bedeutung für die körperliche und psychische Gesundheit, für unser intellektuelles Leistungsvermögen und spielt eine wichtige Rolle in der kindlichen Entwicklung. Kinder benötigen viel mehr Schlaf als Erwachsene, da während des Schlafes die Hirnreifung und das Körperwachstum gefördert werden.

Wer nicht gut oder ausreichend schläft, hat ein höheres Gesundheitsrisiko, etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder auch psychische Störungen. Das Leistungsvermögen am Tage ist eingeschränkt, das Unfallrisiko am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr steigt an. Die Lebenserwartung bei Schlafstörungen gilt als reduziert.

Klinisch-wissenschaftlich werden mehr als 50 Formen von Schlafstörungen unterschieden. Aufgrund ihrer großen Verbreitung sind die Ein- und Durchschlafstörungen von zentraler Bedeutung. Sechs Prozent der Deutschen leiden an behandlungsbedürftigem Schlafmangel. Schlafstörungen haben eine hohe Chronifizierungsneigung, da mehr als 70 Prozent länger als ein Jahr und 50 Prozent länger als drei Jahre an einer Schlafstörung leiden.

Die Behandlung mit Schlafmitteln ist weitverbreitet, zwischen 1,1 und 1,9 Millionen Menschen in Deutschland können nicht ohne schlafen und sind bereits an Schlafmittel gewöhnt. Sie stellen aber keine kausale Therapie dar. Wichtig wären mehr spezialisierte schlafmedizinische Behandlungsangebote, die aber derzeit von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Eine häufige Ursache von Schlafstörungen ist, dass es den Betreffenden nicht gelingt, sich im Bett zu entpflichten und abzuschalten. Sie sind zwar körperlich im Bett anwesend, gedanklich und emotional aber bei den großen und kleinen Problemen des Alltags. Dies führt zu Anspannung und diese ist der Feind des Schlafes. Schlafen kann nur, wer sich wohl und gelassen im Bett fühlt.

Entspannung ist der Königsweg zum Schlaf! Neben anderen körperlichen Faktoren sind auch unruhige Beine, das Restless-Legs-Syndrom, eine häufige Ursache. Die Betroffenen leiden häufig in den Abend- und Nachtstunden aufgrund von Missempfindungen an einer großen Bewegungsunruhe in den Beinen und Armen.

Eine weitverbreitete Schlafstörung ist auch die Schlafapnoe, das krankhafte Schnarchen mit Atemstillständen. Die Betroffenen haben teilweise Hunderte von Atemstillständen während des Schlafes, kommen nicht in erholsame Schlafstadien wie Tief- und Traumschlaf und sind am Tage in ihrem Leistungsvermögen entsprechend eingeschränkt. Tagesschläfrigkeit und Einschlafneigung in monotonen Situationen sind häufig die Regel.

Es hat weiterhin starke negative Auswirkungen auf die Gesundheit, kann Bluthochdruck bedingen und das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöhen. Die Folge ist eine verkürzte Lebenserwartung.

Ihr Dr. Hans-Günter Weeß
Schatzmeister der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

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