Frauen und Männer nehmen den eigenen Körper in verschiedener Weise wahr und haben unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit und einer gesunden Lebensweise.

Die Frauengesundheitsforschung zeigt, dass ebenfalls geschlechtsspezifische soziale Bedingungen wie die unterschiedlichen Lebenssituationen oder Alltagsabläufe eine wichtige Rolle spielen. Unsere Gesundheit hat eine starke Verankerung im Alltag, der durch familiäre, berufliche, gesellschaftliche wie auch psychische Bedingungen bestimmt ist. In der gesundheitlichen Versorgung und in der Gesundheitsvorsorge müssen daher auch die unterschiedlichen Lebenslagen von Frauen, wie Mutterschaft und Berufstätigkeit sowie Jugend und Alter, berücksichtigt werden.

Wir sind Managerinnen in der Familie, Mütter und Impfpolizei für unsere Kinder, Partnerinnen, geben 100 Prozent im Beruf und stehen mit beiden Beinen im Leben. Frauen sind nicht nur multitaskingfähig, sie sind in großem Maße bereit, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung zu übernehmen, bedeutet aber auch, an sich selbst zu denken.

So gehen Frauen mit ihrer Gesundheit oft nicht sorgsam genug um – immer wieder erlebe ich in meiner Praxis, dass Beschwerden nicht offen angesprochen werden. Harninkontinenz ist so ein Thema. Dabei leiden viele Frauen nach Geburten daran und es ist nicht schwer, etwas dagegen zu tun.  Oder Regelbeschwerden – für Frauen hinzunehmendes monatliches Übel? Eine Endometriose kann die Ursache sein. Ärzte brauchen Informationen, um dieser Erkrankung auf die Spur zu kommen. Oft fällt die Diagnose erst sehr spät, wenn sich zum Beispiel der Kinderwunsch nicht erfüllen lässt. Auch eine Vergrößerung der Gebärmutter durch Myome kann eine Schwangerschaft verhindern.  Früh als Ursache von Regelbeschwerden identifiziert, kann diese Erkrankung gut therapiert werden.  

Das Klimakterium trifft irgendwann alle Frauen und ist ein physiologischer Vorgang. Beschwerden sollten Anlass für einen Arztbesuch sein, wenn sie das Wohlbefinden einschränken. Wir müssen nur darüber reden.  

Die besten Therapieoptionen bietet die Früherkennung. Wann waren Sie das letzte Mal bei der Krebsfrüherkennung? Untersuchen Sie Ihre Brust monatlich? Achten Sie auf Hautveränderungen? Krebserkrankungen gibt es in allen Altersstufen. Mit der Krebsvorsorgeuntersuchung können wir keine Krebserkrankung verhindern – aber früh erkennen.

Nehmen Sie sich Zeit für sich – ganz egoistisch und ohne schlechtes Gewissen. Dieses Heft zu lesen, ist schon mal ein Anfang.

Dipl.-Med. Dörte Meisel
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

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