Die gerade veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen für 2016 einen Lebenserwartungsunterschied zwischen den Geschlechtern von 5 Jahren zugunsten der Frauen. Die Ursachen für die Diskrepanz sind vielschichtig.

Das Hauptrisiko für die Männergesundheit stellen immer noch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Zudem versterben Männer häufiger an Tumorerkrankungen als Frauen, leiden häufiger an Lungenerkrankungen und werden im Vergleich auch häufiger Opfer von Unfällen oder Todesfällen durch Suizid.

Zudem scheint der Einfluss des männlichen Hormonhaushaltes auf die Gesundheit eine weit unterschätzte Rolle zu spielen. Der Umgang des Mannes mit dem Wissen, wider der allgemein verbreiteten Annahme, doch gerade nicht das „starke Geschlecht“ zu verkörpern, erscheint von außen betrachtet schwer nachvollziehbar.

Nur jeder fünfte Mann nimmt Früherkennungsangebote wahr, in den meisten Fällen herrscht vielmehr eine Reparatur- als eine verantwortungsbewusste Vorsorgementalität. Bei leichten Beschwerden vergehen teilweise Jahre, bis ein Mann zur Abklärung der Symptome einen Arzt aufsucht.

Im Gegensatz hierzu gehen 80 Prozent der Frauen zur regelmäßigen Krebsvorsorge und nehmen bei Beschwerden nach wenigen Tagen medizinische Hilfe in Anspruch. Trotz dieser gravierenden geschlechtsspezifischen Unterschiede wird das männliche Geschlecht durch gesundheitspolitische Instanzen bislang vernachlässigt.

Bereits im Jahr 2001 wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der „Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland“ herausgegeben. Männer warten auf einen vergleichbaren Beitrag zum Thema Männergesundheit bis heute vergeblich.

Zwar wurde  2010 der „Erste deutsche Männergesundheitsbericht“ veröffentlicht, Herausgeber waren aber die Stiftung Männergesundheit und die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V., also „private“ Initiativen, welche das Thema Männergesundheit vertreten.

Früherkennungsmaßnahmen müssen für beide Geschlechter einer grundsätzlichen Nutzen- und Risikoabwägung unterzogen werden. Gerade die Vorsorgeangebote für Männer werden jedoch häufig unsachlich und verzerrt dargestellt, sodass sich viele Männer in ihrem Verhalten im Umgang mit dem Thema bestätigt fühlen und sinnvolle Untersuchungen weiterhin meiden.

Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Jäger
Vorstand der DGMG e. V.,  Urologische Praxisklinik Essen

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