In Ruhe gelangt bei einem gesunden Erwachsenen mit jedem Atemzug etwa ein halber Liter Frischluft in die Lunge. Unter Ruhebedingungen atmet der erwachsene Mensch etwa 14-mal pro Minute.

Über Nase, Mund, Rachen, Luftröhre und die beiden Hauptbronchien gelangt die eingeatmete Luft in die beiden Lungenflügel. Dort verzweigen sich die Bronchien in ein Röhrensystem aus immer kleiner und zahlreicher werdenden Bronchien und Bronchiolen. An deren Ende findet in den Lungenbläschen (Alveolen), die von einem engen Gefäßnetz umgeben sind, der Gasaustausch statt.

Ein gesunder Erwachsener besitzt circa 200 bis 300 Millionen Lungenbläschen. Deren Membran ist lediglich einen Mikrometer – also einen tausendstel Millimeter – dick.

Nirgendwo hat die Umwelt so leicht Zugang zum Körperinneren wie an der riesigen, aber äußerst dünnen Austauschfläche der Lunge. Deshalb ist gerade für die Lunge ein optimaler Schutz vor schädlichen Einflüssen wichtig. Effektive Abwehrmechanismen sorgen dafür, dass die Lunge den allermeisten Attacken von außen standhält.

In diesem Abwehrsystem können allerdings Lücken entstehen, die die Lunge und damit die Gesundheit beeinträchtigen.

Wenn unser Körper harmlose und in der Natur häufig vorkommende Stoffe als vermeintliche Gefahr missdeutet und dagegen Abwehrstoffe, genannt Antikörper, bildet, sprechen wir von Allergie. Bei entsprechender Überempfindlichkeit können Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, genannt Allergene – die eigentlich harmlose Substanzen sind – in den Bronchien oder in der Lunge eine entzündliche Reaktion auslösen. Es entsteht dadurch zum Beispiel Asthma, eine entzündliche Reaktion der Bronchien. An Asthma leiden hierzulande bis zu fünf Prozent der Erwachsenen und bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen.

Durch ihre große Oberfläche ist die Lunge aber auch Einwirkungen durch Mikroorganismen (Bakterien und Viren, Schimmelpilzen) ausgesetzt. Wenn die Abwehr durch eine Erkrankung, zum Beispiel durch Krebs, geschwächt ist oder wenn uns über längere Zeit aggressive krank machende Keime in hoher Anzahl attackieren, könnte unsere Abwehr überfordert sein. In diesem Fall entsteht eine Lungenentzündung oder durch Tuberkulosebakterien die Tuberkulose.

Die Luftverunreinigung durch Industrie und Verkehr setzt unsere Lunge über das ganze Leben Schadstoffeinwirkungen aus, die in Abhängigkeit von den Substanzen, Konzentration und Dauer der Einwirkung ebenfalls zu Lungenkrankheiten wie chronische Bronchitis, Staublunge et cetera (aber auch zu Herzerkrankungen) führen. Die bei Weitem höchste Zufuhr von gefährlichen Schadstoffen entsteht durch aktives Rauchen, was verantwortlich ist für die häufigste Schädigung der Lunge durch zugeführte Schadstoffe: Es ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Rauchen verursacht auch Lungenkrebs.

Nach den Schätzungen der WHO werden vor allem aufgrund des in weltweitem Maßstab unveränderten Tabakkonsums die COPD, eine der weltweit am häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen, und der Lungenkrebs weiter zunehmen.

Die Abwehrkraft der Lunge muss also in vielen Fällen gestärkt werden. Rehabilitation ist eine komplexe Maßnahme zum Schutz der Lunge. Sie beinhaltet eine Optimierung der medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlung, Lungensport, Patientenschulung, Raucherentwöhnung und multidisziplinäre, auch psychologische Betreuung – die Hilfe rundherum für die Erhaltung und Wiederherstellung der Abwehrkräfte.

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, genügend Schlaf und regelmäßiger Bewegung ist daher ein wichtiger Teil der Prävention. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sich bei manchen viralen und bakteriellen Erkrankungen vorbeugend durch Impfungen zu schützen.

Dr. med. Peter Kardos
Mitglied des Vorstandes der deutschen Atemwegsliga