Das Phänomen an sich ist also nicht neu, aber die Möglichkeiten, sich dem jeweiligen (äußerlichen) Idealbild anzunähern, haben sich in den letzten Jahrzehnten fundamental erweitert.

Waren die herkömmlichen Optimierungsoptionen wie Kleidung, Frisur, Schmuck et cetera von ebenso peripherer wie ephe-merer Natur, geht es heute immer öfter ans "Eingemachte", denn die Möglichkeiten und Fortschritte der ästhetisch-chirurgischen Medizin haben bei vielen Menschen das Verhältnis zum eigenen Körper grundlegend verändert: Früher als vorgegebene Entität wahr- und hingenommen, entwickelt er sich mehr und mehr zur als frei modulierbar betrachteten, zur Verfeinerung geradezu bestimmten "Basisversion" seiner selbst.

Für die ästhetische Zunft ist dieses moderne Selbstoptimierungsideal, das unter dem Rubrum „Quantified Self“ noch allerlei andere technologisch bestäubte Blüten treibt, Fluch und Segen zugleich. So führt dieser Trend zwar zu erfreulich gut frequentierten Beratungszimmern, in denen dann allerdings oftmals Patienten mit einer völlig übersteigerten Erwartungshaltung ihre unrealistischen Wünsche formulieren.

So geraten die in der Ästhetik tätigen Fachärzte in ein ethisches Spannungsfeld zwischen dem von den (potentiellen) Patienten Gewünschten beziehungsweise Machbaren, dem medizinisch und ästhetisch Sinnvollen beziehungsweise Vertretbaren und nicht zuletzt dem betriebswirtschaftlich Vorteilhaften beziehungsweise Notwendigen.

Weiter aufgeladen wird dieses Spannungsfeld noch von dritter Seite. Die zuvor angesprochenen Fortschritte der ästhetisch-chirurgischen Medizin fallen schließlich nicht vom Himmel: Sie sind in weiten Teilen das Produkt einer Industrie, die angesichts der stetig steigenden patientenseitigen Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen naturgemäß floriert. Um dieses Florieren aufrecht zu erhalten, bombardiert die Industrie die in der Ästhetik tätigen Ärzte unaufhörlich mit apparativen und anderweitigen Novitäten.

Die Möglichkeiten und Fortschritte der ästhetischen Medizin haben bei vielen Menschen das Verhältnis zum eigenen Körper grundlegend verändert.

In dieser Flut an Innovationen und Pseudo-Innovationen den Überblick zu behalten und die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen, ist für den einzelnen Mediziner schlicht unmöglich. Genau hier stellt sich die genuine und vornehmliche Aufgabe von Fachzeitschriften wie Ästhetische Dermatologie und Magazin für Ästhetische Chirurgie innerhalb des oben angegebenen Spannungsfeldes: Objektiv den aktuellen Status quo der relevanten Methoden und Prozeduren in der Ästhetik abzubilden und darüber hinaus eine wertvolle Sichtungshilfe zu geben, welche hierfür zur Verfügung stehenden Geräte und Medizinprodukte sich besonders eignen – und welche nicht.

In dieser Form unterstützt, können sich die Ärzte mit voller Kraft ihrer vornehmlichen Aufgabe widmen: Das Leben ihrer Patienten zu verbessern. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen immer wieder, dass Menschen, die sich selbst als attraktiv empfinden, sowohl subjektiv glücklicher und zufriedener als auch objektiv in ihren beruflichen Kontexten angesehener und erfolgreicher sind.

Insofern ist die ästhetische Medizin, mit Sachverstand und Augenmaß betrieben, für die Lebensqualität ihrer Patienten ebenso wertvoll und förderlich wie jedes andere medizinische Fachgebiet.

Frank Höppner

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