Die gute Nachricht ist, dass wir zurzeit erhebliche Verbesserungen in der Behandlung erleben. Diese Fortschritte machen in Zukunft eine „intelligentere“ Therapie möglich, weil sie immer individueller auf den Patienten zugeschnitten ist.

Denn jeder Mensch ist anders –und jeder Tumor auch. Wir schneidern die Therapien den einzelnen Patienten deswegen immer genauer auf den Leib. Eine wichtige Rolle spielen dabei neue Methoden wie Genomsequenzierung und immuntherapeutische Ansätze.

Das Immunsystem ist das Instrument des Körpers zur Bekämpfung von Erregern und geschädigten Zellen. Die Fähigkeiten des körpereigenen Abwehrsystems auch bei Krebszellen zu nutzen, ist mittlerweile bei einigen Krebserkrankungen gelungen. Die Krebsimmuntherapie gilt als großer Hoffnungsträger der Medizin.

Doch trotz Erfolgen, vor allem beim schwarzen Hautkrebs und fortgeschrittenen Lungenkrebs, gibt es noch viel zu tun. Bei der Immuntherapie lenken wir die körpereigene Abwehr gezielt auf die Krebszellen. Allerdings muss das Immunsystem die bösartig mutierten Körperzellen eindeutig von den gesunden unterscheiden. Als Merkmale fungieren auf der Oberfläche vieler Krebszellen veränderte Eiweißmoleküle.

Ziel ist es, in einem nächsten Schritt das Immunsystem so einzusetzen, dass es die Erkrankung von selbst erkennt und dauerhaft abstößt. Neu ist auf diese Weise, dass wir eine Krebserkrankung mit einer ursprünglich fatalen Diagnose tatsächlich in eine chronische Erkrankung umwandeln können – oder sogar eine Heilung möglich ist. Leider ist diese Behandlung nur bei einem Teil der Patienten erfolgreich. Eine immer wichtigere Rolle werden  so- genannte Biomarkersignaturen spielen, um Patienten zu identifizieren, die  von solchen Therapien profitieren. Bei ihrer Erforschung befindet sich die Wissenschaft noch in ihren Anfängen.

Individualisierte Therapie

Im engem Zusammenhang stehen diese Fortschritte mit der individualisierten Therapie. Verfolgen wir sie in der Medizin, müssen wir erheblich mehr in eine Diagnostik für den einzelnen Patienten investieren. Denn die bisherigen Standardtherapien gehen im Gegensatz dazu meistens von einem statistischen Mittel aus. Danach hat ein Patient zum Beispiel nach Studienlage eine mittlere Überlebenszeit von zwei Jahren. In dieses Mittel fallen allerdings sowohl Patienten, die trotz Therapie nach vier Monaten versterben, als auch solche, die dank einer wirkenden Chemotherapie noch fünf Jahre leben.

Notwendig ist es daher, erst mal jeden Patienten, so gut es geht, zu verstehen und für den individuellen Verlauf seiner Erkrankung immer wieder die richtigen Therapieentscheidungen zu treffen.

Die individualisierte Therapie hat aber noch einen weiteren Vorteil: Mit ihr ließen sich in hohem Maße Kosten sparen, die gerade bei der Immuntherapie nicht unerheblich sind. Sinnvollerweise erhält diese dann nur der Patient, bei dem sie auch eine Wirkung entfaltet.

In der Wissenschaft versuchen wir deshalb momentan, noch besser zu analysieren, wie das Immunsystem auf eine Tumorerkrankung reagiert. Ziel ist auch hier, neue Therapieformen zu entwickeln und klinisch zu testen, die unsere Diagnostik optimieren. Kurz: Es geht darum, die „Sprache“ des Immunsystems im Tumor besser zu verstehen.

Auch in der Palliativmedizin, die sich um die Betroffenen kümmert, die als nicht mehr heilbar gelten, ist es sinnvoll, Standardisierungen zu vermeiden. Man tut keinem Patienten einen Gefallen, wenn man ihn in eine Definition wie „kurativ“ oder „palliativ“ zwingt.

Denn gerade weil die Krankheitsentwicklung so individuell ist, sollte man für viele Patienten offenhalten, wohin ihre Reise sie noch führt.

Ihr Prof. Dr. med. Dirk Jäger
Geschäftsführender und ärztlicher Direktor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg

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