„Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben.“ Thomas von Aquin hat mit dieser Aussage die Erkenntnisse der Gesundheitswissenschaften vorweggenommen. Das Präventionsgesetz verpflichtet nun die Krankenkassen zur Finanzierung der Gesundheitsförderung in Kindergärten, Schulen, Betrieben, Pflegeheimen oder Dörfern und Stadtquartieren. Gesundheit entsteht in den Lebenswelten, dort, wo wir leben, arbeiten und im Alltag gefordert sind.

Das moderne Leben mit seiner kontaktreichen Beziehungslosigkeit produziert Depressionen, Ängste, Burn-out-Syndrome, Hochdruck, Rückenschmerzen und chronische Gebrechen. Fehlende soziale Geborgenheit, Einsamkeit und Beziehungsmangel machen krank. Die Arbeit bringt Stress. Erlebnisse der Entwürdigung durch Chefs im Betrieb oder Sachbearbeiter in den Behörden kränken ebenso wie Sinnverlust oder die Einsamkeit im Alter. Die Symptome eines zerbrechenden sozialen Bindegewebes kann unsere Medizin nicht mehr für uns kurieren. Wir müssen selbst aktiv werden, wenn wir gesünder sein und bleiben wollen. Und Lebensfreude ist der Maßstab für ein gesünderes Leben.   

Der Bundesgesundheitsminister will mehr Prävention

„In einer Gesellschaft des längeren Lebens, die zugleich durch einen Wandel der Lebensstile und der Arbeitswelt gekennzeichnet ist, sind gezielte Gesundheitsförderung und Prävention von entscheidender Bedeutung. Sie tragen dazu bei, dass Krankheiten erst gar nicht entstehen oder der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann, dass Menschen gesund älter werden und die Lebensqualität steigt“, meint Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zum Präventionsgesetz. Er will erklärtermaßen mehr Prävention und Gesundheitsförderung durchsetzen.

Die Schulmedizin hat nämlich mit den Leiden unserer Zeit ihre Schwierigkeiten. Sie kuriert und repariert die Symptome beim Individuum und verdrängt die gesellschaftlichen Bezüge und die sozial bedingten Krankheiten. Patienten fühlen sich in der Maschinerie von Praxen und Krankenhäusern als Objekt von Verrichtungen und technischen Zuwendungen. Ihre alltägliche Not mit Druck, Angst, Ausgrenzung und sozialer Desintegration wird nicht gesehen. Ein Diabetes mellitus oder das metabolische Syndrom sind eher eine soziale Infektionskrankheit als individuelles Organversagen.

Es geht im Gesundheitswesen nicht mehr um mehr Medizin, sondern um die Fähigkeit der Menschen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken: um individuelle Gesundheitskompetenz und um Lebensverhältnisse, die der Gesundheit dienlich sind.

Gesundheit lässt sich lernen

Wie gesund essen, sich ausreichend bewegen, den Stress bewältigen oder Ängste und negative Stimmungen überwinden? Solche Fragen beschäftigen uns. Wenn wir selbst aktiv werden und uns kundig machen, gibt es Antworten. Die Informationen und Berichte in diesem Journal sollen Ihnen dabei helfen. Sportvereine, Volkshochschulen, Gesundheitszentren und Arztpraxen machen Angebote, die auch von Ihrer Krankenkasse unterstützt werden.

Die Experten zur Entfaltung Ihrer gesunden Kräfte heißen Präventologinnen und Präventologen (www.praeventologe.de). Auch die Patientenuniversität kann weiterhelfen (www.patienten-universitaet.de). Ihre „Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben“ bietet auch Kurse für Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörige an. NAKOS, die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, vermittelt Ihnen weitere Kontakte (www.nakos.de). Ich nun wünsche Ihnen, dass Sie den Gesundheitsweg finden, der zu Ihnen passt und der Ihre gesunden Kräfte wirksam stärkt.

Ihr Ellis Huber
Berufsverband  der Präventologen e. V. und Geschäftsführer St. Leonhards-Akademie gGmbH

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