STI ist die Abkürzung sexuell übertragbare Infektionen. Neben HIV gibt es weitere STI, mit denen man sich beim Sex anstecken kann. Dank effektiver Aufklärungsarbeit bleibt die Zahl der HIV-Neuinfektionen seit Jahren konstant. Bei allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten ist es in den letzten Jahren jedoch zu einem starken Anstieg gekommen.

„Weiterer Anstieg der gemeldeten Syphilisfälle“, „Immer mehr junge Fragen von Chlamydien betroffen“, „Tripper ist kein Anhalter“ sind nur einiger der Schlagzeilen, die man in letzter Zeit immer wieder liest.

Noch nie so viele Syphilis-Infektionen

Experten schlagen Alarm.  Die verschwunden geglaubte Massenerkrankung Syphilis tritt immer häufiger in Deutschland auf. Die Zahl gemeldeter Syphilis-Fälle stieg laut Robert-Koch-Institut (RKI) im Jahr 2014 auf einen neuen Höchstwert von 5722 Neudiagnosen. Demnach gibt es seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg – und auch im Jahr 2015 hielt der Trend an.

Syphilis entwickelt sich mehr und mehr zu einer modernen Seuche – und diese kommt wahrscheinlich nicht allein. Denn Experten gehen davon aus, dass sich praktisch alle konventionellen sexuell übertragbaren Krankheiten außer HIV weiter ausbreiten. Dazu zählen unter anderem auch Tripper, auch Gonorrhö genannt, Chlamydien, Candidose (Pilz) und Herpes.

Achtung beim Oralverkehr

Im Zuge der HIV-Prävention rieten vor einigen Jahren viele Ärzte ihren Patienten, im Zweifel lieber auf Oralverkehr auszuweichen, da sie die Übertragung des HI-Virus über die Mundschleimhaut praktisch kaum vorkommt. Doch dieser gut gemeinte Rat könnte Experten zufolge im Bezug auf andere STIs Schaden angerichtet haben.

HPV, das bei jungen Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, scheint nun auch Karzinome in der Hals- und Rachenschleimhaut zu verursachen. Ein umgekehrtes Phänomen gibt es bei Herpes: Das Virus, das normalerweise Lippenbläschen verursacht, findet sich immer öfter in der Genitalregion von Patienten – und der Erreger des genitalen Herpes umgekehrt im Mundbereich.

Risiko von HIV-Infektionen steigt

Das Fatale an dieser Situation ist, dass es oft nicht bei der Geschlechtskrankheit allein bleibt. Viele Erreger können kleine, kaum sichtbare Verletzungen hervorrufen, die wiederum Angriffsfläche für weitere Erreger und Bakterien bieten. Syphilis, Tripper und Co könnten so eines Tages sogar den Rückgang des HI-Virus bedrohen. Denn wer von einer sexuell übertragbaren Krankheit betroffen ist, für den erhöht sich auch das Risiko einer HIV-Infektion um ein Vielfaches – und umgekehrt.