Die Osteoporose als weitere bedeutsame chronische Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates ist in dieser Untersuchung nicht berücksichtigt. Die hohe medizinische sowie gesundheitsökonomische Bedeutung der Osteoporose wird dadurch deutlich, dass nach dem 70. Lebensjahr 45 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer in Deutschland an Osteoporose erkranken und mehr als die Hälfte aller Frauen sowie mehr als jeder fünfte Mann jenseits des 50. Lebensjahres einen schwerwiegenden osteoporosebedingten Knochenbruch erleiden, der wiederum häufig zu chronischen Schmerzen, Einschränkungen der Mobilität und Selbstständigkeit bis hin zur Pflegebedürftigkeit sowie einer erheblichen Sterblichkeit führt.

Die genannten Erkrankungen stehen in mannigfacher Verbindung zu den übrigen Themen der vorliegenden Publikation. So ist zum Beispiel aus den Forschungen der letzten Jahre klar geworden, dass die erhebliche Sterblichkeit von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf eine ausgeprägte Förderung arteriosklerotischer Gefäßerkrankungen durch den chronischen Entzündungsprozess zurückzuführen ist, mit den Folgen vermehrter Herzinfarkte und Schlaganfälle.

So gilt heute das Gefäßrisiko eines Patienten mit einer schwer verlaufenden rheumatoiden Arthritis als vergleichbar mit dem eines Diabetikers. Ähnliche Verbindungen mit zufälligen Häufungen arteriosklerotischer Gefäßerkrankungen zeichnen sich auch für die degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie die Osteoporose ab; die Aufklärung der zugrunde liegenden molekularbiologischen Mechanismen ist Gegenstand aktueller Forschung.

Die engen Zusammenhänge mit Stoffwechselstörungen (zum Beispiel Cholesterinerhöhung, endemischer Vitamin-D-Mangel), metabolischen Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus, Harnsäureerhöhung, Fettleibigkeit) und gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen (zum Beispiel Nikotinkonsum, Fehlernährung), die ihrerseits die Arteriosklerose und/oder die Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates fördern, sind offensichtlich und werden im Folgenden detailliert dargestellt.

Dem aufklärerisch und therapeutisch entgegenzuwirken ist nicht nur für die individuelle Gesundheit äußerst gewinnbringend, sondern auch, aufgrund ungenutzter, immenser Einsparpotenziale, eine gesundheitsökonomische Notwendigkeit.

Aufklärung und Schulung der Patienten über die Zusammenhänge zwischen kardiovaskulären, metabolischen Erkrankungen und solchen des Bewegungsapparates werden das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung weiter stärken und können Ansatz für eine integrative Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau unter Einbeziehung telemedizinischer Maßnahmen sein.

Kern dieses integrativen Versorgungskonzepts, das nur in Zusammenarbeit mit Kostenträgern und Vertretern der Gesundheitspolitik erfolgreich sein wird, ist die Multidisziplinarität durch Kooperation verschiedener (Fach-)Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit chronischen Erkrankungen.