Neue zielgerichtete Therapeutika, die zum Beispiel das Einwandern von Entzündungszellen in den Darm verhindern, haben Fortschritte bezüglich der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen gemacht.

Teuer, aber wirksam sind neue Medikamente zur Behandlung gastroenterologischer Krebserkrankungen, die neue Wege wie zum Beispiel Hemmung der Blutversorgung oder Verstärkung des körpereigenen Immunsystems nutzen.

Noch besser ist es aber, Krebserkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hier spielen eine gesunde Ernährung, die Verhinderung von Entzündungen bei Refluxerkrankung, die Behandlung des Barrett-Ösophagus und der Colitis ulcerosa sowie die Impfung gegen Leberkrebs (Hepatitis B) eine Rolle.

Eine Erfolgsgeschichte ist das deutsche Darmkrebsvorsorgeprogramm, das seit 2003 in Deutschland allen Menschen ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung ermöglicht. Kürzlich konnte Professor Brenner vom DKFZ in Heidelberg zeigen, dass dadurch seit 2003 bei 200.000 Menschen ein Darmkrebs verhindert werden konnte. Hier haben wir eine Gesundheitsleistung in Deutschland, um die uns viele Länder beneiden.

Aber wir können noch besser werden. Die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge ist ein wichtiges Thema, das uns alle angeht. Hier haben sich beispielsweise die Felix-Burda-Stiftung, die Stiftung Lebensblicke und die Gastro-Liga seit Jahren verdient gemacht.

Aber auch die sogenannten funktionellen Magen-Darm-Krankheiten Dyspepsie und Reizdarm können trotz der guten Prognose einen erheblichen Leidensdruck auslösen. Hier wurden in letzter Zeit interessante neue Diäten wie zum Beispiel die FODMAP-arme Kost (fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) näher untersucht und erfolgreich angewendet.

Hochinteressant ist die Erforschung des Darmmikrobioms, also der Mikroorganismen, die unseren Dickdarm bewohnen. Diese übertreffen die Zahl der Zellen unseres gesamten Körpers um den Faktor zehn. Trotzdem war deren Funktion lange Zeit wenig erforscht. Neue molekularbiologische Techniken ermöglichen jetzt die genauere Erforschung dieser Keime und der Wechselwirkungen der Keime mit unserem Körper.

Erste Erfolge gibt es auch schon. So konnte etwa durch einen Transfer von Darmkeimen von Gesunden auf Kranke mit einer durch Clos-tridium difficile ausgelösten infektiösen Darmerkrankung diese sonst schwer zu behandelnde Krankheit geheilt werden. Noch ist das aber wegen der schwierigen Durchführbarkeit und der möglichen Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übertragungen von anderen eventuell gefährlichen Keimen, keine Standardtherapie.

Im Zusammenhang mit den neuen Erkenntnissen über das Mikrobiom werden wir möglicherweise auch für andere noch ungelöste Probleme, wie etwa manche Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Übergewicht, Lösungen finden.

Neben dem medizinischen Fortschritt ist aber auch der soziale Rahmen insbesondere für chronisch Kranke von großer Bedeutung. Hier helfen Selbsthilfeorganisationen wie zum Beispiel die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV), dass die Patienten die bestmögliche Unterstützung auch im nicht medizinischen Bereich bekommen.

Prof. Dr. med. Tilo Andus

Ärztlicher Direktor der Klinik für allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und internistische Onkologie am Klinikum Stuttgart, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Gastro-Liga e. V.

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