Für die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V)  wurden bundesweit 4.600 Menschen sozialwissenschaftlich befragt und zahnmedizinisch-klinisch untersucht. Neben Karies, Parodontitis, Pflegebedürftigkeit und sozialen Einflussfaktoren wurden alle Altersgruppen und sozialen Schichten repräsentativ erfasst, erstmals auch sehr alte Senioren und Pflegebedürftige.

Die DMSV beschreibt als einzige Untersuchung ihrer Art die Mundgesundheit aller Menschen in unserem Land und liefert wichtige Fundamentaldaten für die evidenzbasierte Versorgungsforschung. Sie ist die Grundlage für eine zukunftsfeste Zahnmedizin.

Die gute Botschaft vorweg: Deutschland ist so mundgesund wie nie! Heute sind acht von zehn der Zwölfjährigen kariesfrei. Die Zahl gesunder Gebisse hat sich in dieser Gruppe seit 1997 verdoppelt. Im Vergleich zum Jahr 1989 – dem Jahr der DMS I – wurde die Karies sogar um 90 Prozent reduziert.

Damit ist Deutschland Weltmeister in Sachen Kariesfreiheit. Vorbeugung und Prävention haben also die versprochenen Erfolge erzielt. Darauf ist die Zahnärzteschaft sehr stolz. Auch Erwachsene profitieren von einem gewachsenen Mundgesundheitsbewusstsein, von täglichem Zähneputzen mit fluoridhaltigen Zahncremes, regelmäßigen Zahnarztbesuchen sowie der Teilnahme an Prophylaxe und professioneller Zahnreinigung.

25 von 28 Zähnen der Erwachsenen sind gesund oder restauriert und damit funktionsfähig. Ebenso hat sich die Zahnlosigkeit bei jüngeren Senioren seit 1997 halbiert und damit die Lebensqualität deutlich verbessert.

Neben diesen Erfolgen offenbart die DMS V aber auch Herausforderungen, die durch den demografischen Wandel auf die zahnmedizinische Versorgung zukommen. Immer mehr alte Menschen zu betreuen, bedeutet auch, mit mehr Immobilität und Pflegebedürftigkeit konfrontiert zu sein.

Pflegebedürftige leiden im Vergleich zu nicht pflegebedürftigen Altersgenossen an den Folgen einer signifikant schlechteren Mundgesundheit: Jeder zweite ist völlig zahnlos. Hier werden wir die Versorgung noch stärker auf die speziellen Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft konzentrieren und noch mobiler werden müssen.

Können die Menschen nicht mehr in die Praxis kommen, werden wir zu ihnen nach Hause oder ins Pflegeheim gehen.
Wenn ich vor einigen Jahren festgestellt habe, dass wir die Karies im Griff haben, dann kann ich eine solche Entwarnung im Bereich Parodontitis nach den DMS-V-Daten noch nicht geben.

Zwar hat sich die Zahl schwerer Parodontalerkrankungen seit 1997 halbiert, aber immer noch leidet jeder zweite Erwachsene an einer behandlungsbedürftigen Erkrankung des Zahnhalteapparates. Die Folgen dieser unterschätzten Volkskrankheit im Hinblick auf Zahnverluste und Allgemeinerkrankungen wie Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Probleme, Atemwegserkrankungen oder das Risiko von Frühgeburten sind noch immer zu wenig bekannt.

Dem muss neben umfangreicher Aufklärung mit einem neuen, wissenschaftlichen Versorgungskonzept begegnet werden. Als stimmberechtigte Trägerorganisation setzt sich die KZBV deshalb im Gemeinsamen Bundesausschuss dafür ein, dass von solchen gezielten Maßnahmen möglichst schnell alle GKV-Versicherten in Deutschland profitieren.

Dr. Wolfgang Eßer
Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV)

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