Im Gegensatz zu den Makronährstoffen Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate liefern die Mikronährstoffe dem Körper keine Energie. Trotzdem sind sie unverzichtbar und können bis auf wenige Ausnahmen nicht selbst vom Körper hergestellt werden. Eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung ist daher essenziell, um diverse Körper- und Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten. Die GIVE e. V. (Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung) hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung neutral über Mikronährstoffe und eine ausgewogene Ernährung zu informieren. Dabei wird Bezug auf aktuelle Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft genommen.

Ein tatsächlicher klinischer Mangel mit eindeutigen, nährstoffspezifischen Symptomen ist in Deutschland eher selten. Oftmals liegen dann schwerwiegende (chronische) Erkrankungen zugrunde, die eine normale Nährstoffaufnahme oder -verwertung behindern. Allerdings kann eine Unterversorgung an einzelnen Mikronährstoffen, die vorerst ohne erkennbare Symptome auftritt, von verschiedenen Faktoren begünstigt werden.

Kritisch sind in Deutschland beispielsweise niedrige Vitamin-D-Spiegel. Das Vitamin wird größtenteils – induziert durch die UV-B-Strahlung der Sonne – in der Haut produziert. Im Winter vermindern lange, dichte Kleidung, geringe Sonneneinstrahlung und der Aufenthalt in geschlossenen Räumen die körpereigene Produktion drastisch. Zudem verliert die Haut im Alter mehr und mehr die Fähigkeit, genügend Sonnenvitamin bereitzustellen – auch in den Sommermonaten. Die altersbedingte Geschmacksveränderung, ein mangelhafter Zahnstatus oder eine abnehmende Resorptionsfähigkeit über den Darm sind weitere Gründe, warum ältere Menschen insgesamt stärker von einer unzureichenden Versorgung mit Mikronährstoffen betroffen sind.

Das Risiko einer Unterversorgung besteht allerdings auch bei langzeitig einseitiger Ernährung. Hierzu zählt ebenso eine Reihe von vermeintlich gesunden Ernährungstrends. So kann die aktuell angesagte Paleodiät, die die Ernährungsweise der Altsteinzeit nachempfinden soll, langfristig zu einem Mangel an Calcium und den B-Vitaminen Thiamin und Riboflavin führen. Mit problematischen Folgen, schließlich ist Calcium für die Knochengesundheit wesentlich und die B-Vitamine sind entscheidend für die Energiegewinnung.

Dagegen hat eine ausreichende Versorgung an Mikronährstoffen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge einen präventiven Effekt für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus Typ 2. Sie entstehen meist schleichend und können von einer ungesunden Lebensweise zusätzlich befördert werden. So ist der häufige Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln mit hoher Energiedichte und nur wenig Vitaminen und Mineralstoffen ein echter Risikofaktor.

Für mehr Vitalität wird daher ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Aufenthalt im Freien sowie eine gesunde Ernährung empfohlen. Neben viel mikronährstoffreichem Obst und Gemüse sollte diese aus mäßigem Fleisch- und Süßigkeitenkonsum, regelmäßigem Fischverzehr und natürlich ausreichend Flüssigkeit bestehen.

Dr. Andreas Erber
1. Vorsitzender der GIVE e. V.

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