Schon Jugendliche leiden daran: Beinahe die Hälfte der Teenager zwischen 14 und 17 Jahren klagt über Probleme mit dem Kreuz. Auch andere Erkrankungen und Verletzungen der Knochen und Gelenke sind auf dem Vormarsch: An Arthrose sind über fünf Millionen Deutsche erkrankt, von Osteoporose – auch Knochenschwund genannt – sind sechs Millionen betroffen.

Infolge des Knochenschwundes kommt es bei betagten Patienten nicht selten zu Knochenbrüchen. Von entzündeten Gelenken aufgrund einer rheumatoiden Arthritis oder Gicht werden zusammengenommen etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland geplagt.

Experten gehen davon aus, dass diese Zahlen künftig weiter steigen werden. Die Menschen werden immer älter, dadurch nehmen auch die Alterserscheinungen am Skelett zu. Dass längst nicht nur die Älteren und Alten davon betroffen sind, liegt vielfach an einem ungesunden Lebenswandel: Wir essen zu viel, zu süß oder zu fett und bewegen uns zu wenig.

Die Folge: Übergewicht. Jeder zweite Erwachsene in Deutschland bringt zu viel auf die Waage, jedes siebte Kind ist zu dick. Die überflüssigen Kilos belasten die Knochen und Gelenke schwer und beschleunigen ihren Verschleiß.

Nicht umsonst reden wir von Zivilisationskrankheiten. Den meisten von ihnen können wir mit einer aktiven Lebensweise vorbeugen: Das Auto mal stehen lassen und zu Fuß gehen, gesund ernähren, sinnvoll und regelmäßig Sport treiben. Dann purzeln die Pfunde und die Muskulatur wird gekräftigt, sodass Knochen und Gelenke gestützt und in ihrer Funktion unterstützt werden.

Auch am Arbeitsplatz kann einiges für die Gesunderhaltung des Körpers getan werden. Das beginnt mit einer ergonomischen Ausstattung, die eine rückenschonende Arbeitshaltung ermöglicht; geht über kleine Bewegungspausen, in denen Schreibtischarbeiter kurz aufstehen, sich dehnen, strecken und ihre Muskeln auflockern; bis hin zu Bürogymnastik unter Anleitung oder Jogging mit den Kollegen in der Mittagspause oder nach Dienstschluss.

Bei vorgeschädigten Gelenken sind gelenkschonende Sportarten anzuraten, beispielsweise Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking, Skilanglauf oder Aquafitness. Der Spaß sollte allerdings immer im Vordergrund stehen: Einem leidenschaftlichen Fußballer Gymnastik anzuraten, wird möglicherweise nicht funktionieren. Aber vielleicht findet er Freude am Radfahren. Kommt es zu Sportverletzungen, können mit den richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen und einer frühzeitigen Behandlung Folgeschäden meist vermieden werden.

Bei allen Erkrankungen und Verletzungen an den Knochen und Gelenken gilt: „konservativ vor operativ“ und „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“. Nach wie vor greifen Orthopäden und Unfallchirurgen auf Behandlungsmethoden zurück, die sich jahrzehntelang bewährt haben. Nicht umsonst lautete das Motto ihres diesjährigen Jahreskongresses mit über 11.000 Teilnehmern vor einem Monat in Berlin: „Zurück in die Zukunft“.

Ist eine Operation erforderlich, stehen heute innovative Verfahren, moderne Implantate und – wenn nötig – leistungsfähige Endoprothesen zur Verfügung. Für welchen Patienten welche Behandlung die richtige ist, sollten Arzt und Patient gemeinsam entscheiden.

Ihr  Prof. Dr. Heiko Reichel
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)

Weitere spannende Artikel rund um das Thema finden Sie auf gesunder-koerper.info.