Seit 2006 fördert die Charta der Vielfalt diesen Trend und setzt das Thema auf die Agenda, gibt Hilfestellung und zeigt gute Beispiele in der Umsetzung.

Nach zehn Jahren ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und zu schauen, wo Diversity Management in Deutschland aktuell steht. Wir starteten diesen Sommer eine Umfrage zum einen unter den 2.400 Unternehmen und Institutionen, die die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt unterzeichnet haben. Zum anderen haben wir den nationalen Unternehmensdurchschnitt nach seinem Diversity Management befragt. Die Ergebnisse sind spannend, und an ihnen ist eine gute Entwicklung bei Organisationen zu sehen, die sich schon länger mit dem Thema befasst haben.

Dennoch: Insgesamt sind zwei von drei Unternehmen in Deutschland auf absehbare Veränderungen durch eine vielfältige Arbeitswelt nicht vorbereitet. Und das, obwohl sich zugleich eine große Mehrheit von 65 Prozent der Tatsache bewusst ist, dass die Einbindung unterschiedlicher Lebensmodelle, kultureller Perspektiven und Erfahrungen für die eigene Organisation Vorteile bringt.

Drei Viertel der Unternehmen erkennen, dass eine vielfältig zusammengesetzte Belegschaft die Offenheit und Lernfähigkeit und damit auch die Zukunftsfähigkeit sicherstellt. Immerhin zeigt sich hier ein großer Unterschied zu den Unterzeichnern der Charta der Vielfalt, denn von ihnen setzen immerhin über 80 Prozent konkrete Diversity-Maßnahmen um. Sie sind am meisten überzeugt, haben eine strategische Herangehensweise und die stärkste Zukunftsorientierung.

Die Studie zeigt, dass bei dem Drittel der Unternehmen und Institutionen, die aktives Diversity Management betreiben, vor allem Maßnahmen der Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort sowie Maßnahmen der Personalgewinnung und Personalentwicklung im Vordergrund stehen. Für uns ist das ein Indiz dafür, dass die Organisationen vor allem aus kurzfristiger Perspektive auf Personalmangel reagieren.

Doch das ist zu kurz gedacht! Es braucht eine langfristig angelegte und ganzheitliche Strategie, die alle Akteurinnen und Akteure miteinbezieht, um wirklich erfolgreich zu sein. Raus aus den Personalabteilungen und rein in den Querschnitt der Organisation, sollte das Motto sein. Diversity Management spielt auch für die Businessthemen eine große Rolle, es hilft neue Märkte zu erschließen, passende Produkte zu entwickeln und diese zu vermarkten.

Auch wenn es bereits einige gute Vorbilder gibt, die Diversity Management strategisch anwenden, steht es in Deutschland insgesamt gesehen noch immer am Anfang. Für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes wird es jedoch massiv an Bedeutung gewinnen. Wer nicht in der Lage ist, eine vielfältige Belegschaft aufzubauen, wird den Kontakt zu gesellschaftlichen und technologischen Trends und somit Kundenbedürfnissen an den Märkten verlieren. Die Digitalisierung und die Globalisierung verlangen von uns, dass wir vielfältiger denken und schneller werden.

Die Zukunft von Vielfalt liegt darin, sie bei jeder strategischen Entscheidung und jedem Prozessschritt mitzudenken, nur so können wir ein vorurteilsfreies und wertschätzendes Arbeitsumfeld erreichen. Diese Kampagne „Diversity Management“ trägt dazu bei, Vielfalt zum gesellschaftlichen Thema zu machen und den Dialog mit allen zu suchen.

Ihre Aletta Gräfin von Hardenberg
Geschäftsführerin Charta der Vielfalt

Weitere spannende Artikel rund um das Thema finden Sie auf erfolg-und-business.de.